
Nicolas Hormesch
CEO & Founder
Mathare, Nairobi: Was wir von einer Gemeinschaft lernen konnten, die ihre Zukunft selbst gestaltet
Während unserer Reise nach Kenia wollten wir nicht nur die Produktion unserer ersten earthfilter-Keramikfilter begleiten. Uns war es ebenso wichtig, die Lebensrealitäten der Menschen kennenzulernen, mit denen unsere Partnerorganisationen zusammenarbeiten, und ein besseres Verständnis für die Herausforderungen und Chancen vor Ort zu gewinnen.
Deshalb führte uns ein Teil unserer Reise nach Mathare in Nairobi. Mathare zählt zu den größten informellen Siedlungsgebieten Ostafrikas und ist zugleich ein Ort, an dem beeindruckende Projekte, starke Gemeinschaften und außergewöhnliches Engagement entstehen.
Ein erster Eindruck von Mathare
Schon kurz nach unserer Ankunft wurde deutlich, dass Mathare weit mehr ist als die Bilder, die viele Menschen vor Augen haben, wenn sie an ein Slum denken.
Die Wege waren voller Leben. Kinder spielten miteinander, Menschen gingen ihrer Arbeit nach, kleine Geschäfte hatten geöffnet und an vielen Ecken wurde sichtbar, wie eng die Gemeinschaft zusammenarbeitet.
Begleitet wurden wir von lokalen Freiwilligen und Mitgliedern verschiedener Organisationen, die sich täglich für bessere Lebensbedingungen einsetzen. Durch ihre Unterstützung fühlten wir uns jederzeit willkommen und sicher.

Gemeinschaft statt Resignation
Der Hauptgrund unseres Besuchs war die Besichtigung eines aktuellen Infrastrukturprojekts.
Vor Ort konnten wir ein nahezu fertiggestelltes Abwassersystem besichtigen, das von Bewohnerinnen und Bewohnern der Gemeinschaft mit aufgebaut wurde.
Viele Menschen berichteten, dass starke Regenfälle in der Vergangenheit regelmäßig zu Überschwemmungen führten. Verschmutztes Wasser wurde durch die Siedlung gespült, was nicht nur Sachschäden verursachte, sondern auch gesundheitliche Risiken mit sich brachte.
Besonders beeindruckend war die Haltung vieler Beteiligter.
Anstatt ausschließlich auf politische Entscheidungen oder staatliche Unterstützung zu warten, entschied sich die Gemeinschaft dazu, selbst aktiv zu werden. Gemeinsam planten, organisierten und errichteten die Menschen vor Ort ein neues Entwässerungssystem.
Dieses Projekt soll künftig dazu beitragen, Überschwemmungen zu reduzieren und die Lebensqualität vieler Familien nachhaltig zu verbessern.
Die Menschen hinter der Veränderung
Während unseres Besuchs lernten wir mehrere lokale Organisationen und Initiativen kennen, die sich täglich für ihre Nachbarschaften engagieren.
SDI Kenya / Muungano wa Wanavijiji
SDI Kenya und Muungano wa Wanavijiji unterstützen Gemeinschaften dabei, eigene Lösungen für Herausforderungen in den Bereichen Wohnen, Infrastruktur und Stadtentwicklung zu entwickeln.
Die Organisation verbindet Kreislaufwirtschaft, Abfallmanagement und Bildungsförderung und schafft dadurch neue Perspektiven für Kinder und Familien.
Facebook: Waste for Education
Kambimoto Youths and Kids
Foto-Platzhalter
Die Initiative engagiert sich insbesondere für Kinder und Jugendliche und stärkt lokale Gemeinschaften durch Bildungs- und Sozialprojekte.
Huruma Waste Pickers
Die Organisation setzt sich für nachhaltiges Abfallmanagement ein und schafft gleichzeitig Einkommensmöglichkeiten für Menschen vor Ort.
Ein Besuch beim GIZ-Container
Nach dem Besuch des Infrastrukturprojekts machten wir Halt an einem Containerstandort, der von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt wird.
Der Container dient verschiedenen Organisationen als Koordinations- und Anlaufstelle.
Hier werden Projekte organisiert, Meetings abgehalten und Bewohnerinnen und Bewohner können Unterstützung oder Informationen erhalten. Für uns war es beeindruckend zu sehen, wie viele Initiativen an einem gemeinsamen Ort zusammenkommen und ihre Arbeit koordinieren.

Was wir aus Mathare mitgenommen haben
Wer in Europa an Slums denkt, verbindet damit häufig ausschließlich Armut, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit.
Unser Besuch hat uns gezeigt, dass dieses Bild viel zu kurz greift.
Natürlich sind die Herausforderungen real. Gleichzeitig haben wir Menschen kennengelernt, die mit bemerkenswerter Energie, Kreativität und Entschlossenheit an Lösungen arbeiten.
Mathare hat uns nicht wegen seiner Probleme beeindruckt.
Mathare hat uns wegen der Menschen beeindruckt.
Warum diese Erfahrungen wichtig für earthfilter sind
Als Unternehmen beschäftigen wir uns täglich mit dem Thema Wasser, Lebensqualität und nachhaltige Lösungen.
Unsere Reise hat uns erneut daran erinnert, dass nachhaltige Entwicklung nicht allein durch Produkte entsteht. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, Wissen teilen und gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten.
Wir sind dankbar für die Offenheit, mit der wir empfangen wurden, und für die Möglichkeit, diese Erfahrungen mit unserer Community zu teilen.
Mathare wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.
